Presse: Lehrerberuf in Niedersachsen muss wieder attraktiver werden

Presse: Lehrerberuf in Niedersachsen muss wieder attraktiver werden

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR blickt zum neuen Schuljahr mit Sorge auf die Unterrichtsversorgung an Niedersachsens Schulen. Obwohl viele neue Lehrerstellen ausgeschrieben worden sind, hat es sehr große Probleme bei der Besetzung dieser Stellen gegeben. Insbesondere außerhalb der Ballungszentren ist es zunehmend schwerer geworden, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, die bereit sind, eine angebotene Stelle anzunehmen. „Eine so große Anzahl von Stellen, die nicht besetzt werden konnten, hat es seit Jahrzehnten noch nicht gegeben. Die Situation erinnert sehr an die Zeiten Ende der 60er- bzw. Anfang der 70er-Jahre, als es ebenfalls nicht genügend Lehrkräfte auf dem Markt gab. Der heutige Lehrermangel wird zur Folge haben, dass nicht nur im MINT-Bereich etliche Fächer entweder nur noch fachfremd erteilt werden können oder sogar ausfallen müssen. Die Fachlichkeit und damit die schulische Qualität werden unweigerlich auf der Strecke bleiben“, warnt der VNL/VDR-Landesvorsitzende Manfred Busch.

Offene Baustellen im Schulbereich gefährden die Unterrichtsqualität an niedersächsischen Schulen: Die fehlenden neuen Lehrkräfte werden sowohl eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion als auch die Integration der Flüchtlingskinder in den Schulen weiter erschweren. Mit dem gestiegenen Migrantenanteil in den Klassen wachsen auch die Anforderungen.

Der forcierte Ausbau der Ganztagsschulen ist ohne weitere Lehrkräfte nicht zu bewältigen, wenn dieser insbesondere am Nachmittag nicht nur eine Aufbewahrungsfunktion haben soll. Die vorgeschlagene Kapitalisierung der Stunden aus den nicht zu besetzenden Lehrerstellen ist hierbei keine hilfreiche Alternative.

Eine weitere Baustelle im Schulbereich ist der Ausbau und die Absicherung der Schulsozialarbeit, die für alle Schulen immer wichtiger wird. Hier hat die Kultusministerin zwar Aktionen gestartet, jedoch hat es bei der Ausschreibung bzw. Stellenbesetzung zeitliche Verzögerungen gegeben, die nicht hilfreich waren.

Die Belastung der im Schuldienst tätigen Lehrkräfte wird weiter zunehmen. Hierzu liegen nunmehr erste Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen vor, die eindeutig die hohe Arbeitsbelastung der Lehrkräfte bestätigt hat. Auch werden in Kürze erste Ergebnisse der von der Kultusministerin vor den Sommerferien durchgeführten Online-Befragung vorliegen. Die Lehrkräfte sind besonders auf die Konsequenzen der Kultusministerin gespannt. Hier erwarten die Lehrkräfte eine zeitnahe Umsetzung möglicher spürbarer Entlastungsmaßnahmen. „Ein weiteres Vertrösten auf später wird nicht mehr hingenommen werden“, so Manfred Busch.

Der VNL/VDR fordert angesichts der zunehmenden Probleme bei der Besetzung der ausgeschriebenen Lehrerstellen, den Lehrerberuf in Niedersachen attraktiver zu machen. „Die Bewerberinnen und Bewerber können gerade im Grundschul- und Sekundarbereich I in anderen Bundesländern vielfach mit einer höheren Besoldung und einer niedrigeren Stundenverpflichtung rechnen. Da ist es kein Wunder, wenn viele Stellen in Niedersachsen unbesetzt bleiben“, merkt Manfred Busch abschließend an.

Hannover, den 2. August 2016

Verantwortlich i. S. d. Presserechts:
Manfred Busch, Landesvorsitzender, 29315 Hermannsburg

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