Presse: VNL zum „17-Punkte-Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung“: Viel heiße Luft und wenig Neues – Unterrichtsversorgung bleibt kritisch

Presse: VNL zum „17-Punkte-Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung“: Viel heiße Luft und wenig Neues – Unterrichtsversorgung bleibt kritisch

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR hält den heute (03.08.2016) von der Kultusministerin vorgestellten „17-Punkte-Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung“ für kaum geeignet, die massiven Probleme bei der Unterrichtsversorgung jetzt und zukünftig zu lösen. „Er enthält sehr viel heiße Luft und kaum neue Aspekte. Es ist zwar begrüßenswert, dass sich die Kultusministerin Gedanken macht, wie man die desolate Unterrichtsversorgung wieder in den Griff bekommen kann, aber fast alle vorgestellten Punkte sind bereits bekannt und in Anwendung“, so Manfred Busch, VNL/VDR-Landesvorsitzender, in einer ersten Reaktion.

Der VNL/VDR hält die Vorschläge, Pensionäre einzubinden oder die Altersgrenze zu erhöhen, für praxisfern. Hier werden sich nur wenige Lehrerstunden gewinnen lassen. Mit der Mehrarbeit für im Dienst befindliche Lehrkräfte zu rechnen, zeigt schon eine gewisse Naivität. Die Belastung der Lehrkräfte ist jetzt schon zu hoch, so dass sich nur ganz wenige Lehrkräfte werden finden lassen, noch mehr zu arbeiten.

Die vorgeschlagene Kapitalisierung der Stunden aus den nicht zu besetzenden Lehrerstellen ist keine echte Alternative, die Unterrichtsversorgung zu stabilisieren. Der Ganztagsunterricht am Nachmittag wird ohne Lehrereinsatz zu einer Aufbewahrungszeit verkommen, was auch nicht im Sinne einer guten Ganztagsschule ist.

Aus der Praxis heraus warnt der VNL/VDR vor zu großer Euphorie beim Einsatz sogenannter Quereinsteiger. Sehr viele kommen mit viel Elan und Begeisterung in die Schulen, kehren aber bald dieser wieder den Rücken, da ihnen die pädagogische Ausbildung in der Regel vollkommen fehlt und in Schnellkursen kaum nebenbei vermittelt werden kann. Die Idee, diese an Grundschulen einzusetzen, ist zwar neu, wird aber wenig praxistauglich sein.

Schon bisher achtet jede Landesschulbehörde auf eine ausgeglichene Unterrichtsversorgung innerhalb der Schulbezirke. Abordnungen oder Versetzungen zum Ausgleich der Unterrichtsversorgung sind nichts Neues. Diese Maßnahmen verpuffen aber, wenn fast alle Schulen schlecht versorgt sind.

Abschließend lässt sich aus Sicht des VNL/VDR nur sagen, dass der Aktionsplan vor allem viel Aktionismus beinhaltet und die angespannte Situation auf dem Lehrkräftemarkt nicht entschärfen wird. „Der Lehrerberuf in Niedersachen muss attraktiver gemacht werden. Die Bewerberinnen und Bewerber können gerade im Grundschul- und Sekundarbereich I in anderen Bundesländern vielfach mit einer höheren Besoldung und einer niedrigeren Stundenverpflichtung rechnen. Da ist es doch kein Wunder, wenn viele Stellen in Niedersachsen unbesetzt bleiben“, merkt Manfred Busch abschließend an.

Hannover, den 3. August 2016

Verantwortlich i. S. d. Presserechts:
Manfred Busch, Landesvorsitzender, 29315 Hermannsburg

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